Dienstag, 8. April 2008

Die Sache mit dem freien Willen

Sonntag Morgen, die Sonne scheint, das Haar sitzt...
Mein Telefon klingelt, eine potentielle Klientin am Apparat: Guten Tag Frau Sabrina, ich war mal bei Ihnen zum Kartenlegen, als sie in dem Laden in R. waren. -Ahja, grüezi, was kann ich für Sie tun, sage ich, während ich mir überlege, wieso mich die Leute immer Sonntags anrufen. Sie möchte wissen, wie es mit ihrem Sohn bei seiner Lehrstelle weitergeht, will möglichst schnell einen Termin, am liebsten gleich morgen. Geduldig erkläre ich der Dame, dass ich keine Aussagen über nicht anwesende Dritte mache, das sei so, als würde man im Tagebuch eines anderen wühlen...Ich stosse auf Unverständnis, es sei ja ihr Sohn und es sei in ihrem Interesse darüber was zu wissen. Noch immer geduldig weise ich sie darauf hin, dass ihr Sohn jedoch bereits ein junger Erwachsener sei und das einzige, was ich für sie legen würde die Frage wäre, wie sie ihren Sohn unterstützen könne, aber nicht, was bei ihm so anstehe (davon abgesehen, dass auch das ja nur ihre Sicht der Dinge wäre, wahrsagen kann ich nämlich auch nach 10 Jahren noch nicht). Nun, klar, dass sie keinen Termin mehr will, ausser, wenn ich sie jetzt gleich nehmen würde...was ich natürlich nicht tue.
Warum ist es scheinbar noch immer nicht in den Köpfen der Menschen eingebrannt, dass sie sich ihre Zukunft selbst gestalten? Ist das Leben so viel einfacher, wenn man sich sagt, dass alles vorbestimmt ist und wir nur eine Marionette im Kosmos? Wieso sollte der Kosmos oder wie auch immer man "ES" nennen will, Interesse daran haben, den Lebensplan jedes einzelnen bis ins Detail durchzustudieren?
Wie auch immer, wir gestalten meiner Meinung nach unsere Zukunft selber...darum habe ich dieser Klientin auch abgesagt, weil ich keine Lust habe, gute oder schlechte Arbeit geleistet zu haben, weil irgendwas, das ich gesagt habe, und sie als Vorhersage verstanden hat, eingetroffen ist oder halt nicht.
Die Karten wissen gar nichts, sie sind bloss ein Werkzeug, um deine "Seele" auf den Tisch zu legen. Unser Unterbewusstsein spricht in Bildern zu uns (darum sind unsere Träume ja auch keine Texte sondern gesehene Geschichten ;-) ) und genau dieses Unterbewusstsein kicken die Kartenbilder an. Nicht umsonst sprechen wir von "Spiegel der Seele". Die Karten können also nicht mehr aufzeigen, als das, was du bereits in dir trägst, ganz nach dem Gesetz: Wie innen, so aussen, wie oben so unten. Somit gibts keine "Zufälle" sondern alles bewegt sich in einem grösseren Zusammenhang (bei C.G Jung unter Synchronizität nachzulesen). Darum also ziehst du genau zu dem Zeitpunkt die genau für dich richtigen Karten, die genau das in dir ansprechen, was grad genau jetzt wichtig ist und in Resonanz geht.
Was deine Voraussagen anbelangt, in dem Moment, wo sich in uns eine Frage bildet, bildet sich in uns auch die Antwort (schliesslich ist unsere Welt polar, sonst springt sie ja aus den Fugen) und diese Antworten sieht man dann auch in den Karten. Trotzdem spreche ich gerne von Tendenzen und nicht von unumstösslichem Schicksal...weil wir ja noch immer den freien Willen haben, Dinge zu ändern und somit den Lauf unserer Zukunft zu beeinflussen.
Fazit: Tarot funktioniert, nicht mehr und nicht weniger.

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